Erfahrungsbericht Grossbatterie

Bereits im Juni 2025 bewegte sich der Strompreis (Spotmarkt) täglich ins Negative. Überschüsse mussten aus dem Netz genommen werden, was enorme Kapazitäten an Regelenergie beanspruchte und hohe Kosten verursachte. Erst Anfang Juli, als Beznau wegen zu hoher Aare-Temperaturen vom Netz ging, stabilisierte sich der Preis wieder.

Wie funktioniert der Strommarkt?
Angebot und Nachfrage müssen im Strommarkt jederzeit im Gleichgewicht stehen. Da zahlreiche Produzenten und Konsumenten beteiligt sind, gestaltet sich eine präzise Prognose schwierig. Mit dem zunehmenden Ausbau erneuerbarer Energien spielt zudem die Wetterprognose eine zentrale Rolle: Ein Föhnstau oder ein verspätetes Gewitter können dazu führen, dass plötzlich deutlich mehr Energie im Netz vorhanden ist als geplant. Solche Abweichungen müssen mit Regelenergie ausgeglichen werden.

Man unterscheidet zwischen positiver Regelleistung, also dem Zuspeisen von Energie, und negativer Regelleistung, dem Entzug von Energie. Diese wird in drei Stufen unterteilt: Die Primärregelung (PRL) reagiert innerhalb von Sekunden, die Sekundärregelung (SRL) innerhalb weniger Minuten, und die Tertiärregelung (TRL) nach rund 15 Minuten. Damit diese Reserve jederzeit verfügbar ist, beauftragt Swissgrid entsprechende Kraftwerke mit der Vorhaltung von Regelleistung und entschädigt sie dafür. Eingesetzt wird diese Leistung über eigens geschaffene Regelleistungsmärkte. Während diese früher ausschliesslich grossen Netzbetreibern vorbehalten waren, können heute auch private Firmen teilnehmen. So steht in Ingenbohl seit 2020 eine 20-Megawatt-Batterie, die genau solche Systemdienstleistungen am Markt anbietet.

Batterien im Einsatz
Der Boom im Bereich der Batteriespeicher ist ungebrochen – wöchentlich gehen neue Anlagen ans Netz. Der Hauptzweck liegt derzeit in der Eigenverbrauchsoptimierung, also darin, tagsüber erzeugten Strom in die Nacht zu verschieben. In Zukunft sollen diese Systeme jedoch auch in Phasen mit geringer Auslastung am Regelenergiemarkt mitwirken. Ein Pilotprojekt mit der Fleco Power AG testet beispielsweise die Bündelung («Pooling») zahlreicher kleiner Batterien, um deren Restflexibilität nutzbar zu machen. Dadurch könnte die bestehende Infrastruktur effizienter eingesetzt und zusätzliche Erträge erzielt werden. Dennoch bleibt der Markt hochvolatil und kurzfristig; Erträge gelten als spekulativ. Die teils astronomischen Gewinne der letzten Jahre dürfen keinesfalls als Normalfall betrachtet werden.

Erfahrungen beim Bau
Die Batteriebranche wächst rasant, insbesondere in China, wo jährlich neue Fabriken entstehen und die Produktion um 30 bis 50 Prozent zunimmt. Beim Bau der Anlage in Ingenbohl zeigte sich, dass vor allem die Wahl eines seriösen Herstellers, die rechtzeitige Materialbeschaffung und die notwendigen Bewilligungen entscheidend sind. Heute liegen die Herausforderungen weniger in der Zelle selbst, sondern im Gesamtsystem. Komponenten wie das Batteriemanagementsystem (BMS), Brandmeldetechnik, Löschsysteme, Temperatursteuerung und Schnittstellen zur Netzintegration müssen zuverlässig funktionieren. Ebenso zentral ist die Stabilität des Lieferanten, da ein Batteriesystem – im Gegensatz zu einer Solaranlage – stark von Software und Servern abhängt. Fällt der Anbieter weg, kann das gesamte System stillstehen.

Bewilligungen als Stolperstein
Besonders komplex gestaltet sich die Brandschutzthematik. Das VKF-Merkblatt zu Lithium-Ionen-Batterien stammt aus einer Zeit, als andere Zellchemien verbreitet waren. Heute dominieren Lithium-Eisenphosphat-Zellen, die ein deutlich anderes Verhalten aufweisen. Behörden und Bewilligungsstellen verfügen häufig nicht über aktuelles Wissen, und viele Unterlagen sind überholt. Daher muss jedes Projekt individuell diskutiert und oft mit provisorischen Lösungen umgesetzt werden. Dies verzögert die Realisierung erheblich und sorgt bei Investoren wie Betreibern für Unsicherheit.

Schlussfolgerung
Batteriesysteme werden eine tragende Rolle im Umbau des Energiesystems einnehmen. Sie bieten Flexibilität, verbessern die Eigenverbrauchsoptimierung und ermöglichen die Bereitstellung von Systemdienstleistungen. Erfolgreiche Projekte setzen jedoch zwingend einen erfahrenen und verlässlichen Systemanbieter voraus. Gleichzeitig braucht es dringend klare, zeitgemässe Vorgaben im Bereich Sicherheit und Bewilligung, damit diese Technologie effizient und verlässlich skaliert werden kann.