Wenn Eigenverbrauch zur Strategie wird

Steigende Energiekosten, sinkende Einspeisevergütungen und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit beschäftigen viele Landwirtschaftsbetriebe. Die Grob Gemüse AG in Schlattingen setzt sich bereits seit Jahrzehnten intensiv mit Energiefragen auseinander. Der kürzlich installierte Batteriespeicher ist dabei kein Einzelprojekt, sondern Teil einer langfristigen Strategie. 

Themen wie Lastmanagement, Energieeffizienz und die intelligente Nutzung vorhandener Ressourcen prägen den Familienbetrieb seit vielen Jahren. Bereits vor der Installation lag der Eigenverbrauch der Photovoltaikanlage bei 80 bis 85 Prozent. Mit dem Batteriespeicher soll dieser Wert künftig nochmals deutlich gesteigert werden. «Der Umgang mit Lastspitzen beschäftigt uns auf dem Betrieb bereits seit über 30 Jahren», erklärt Seniorchef Hansjörg Grob.

Vor diesem Hintergrund entstand auch die Entscheidung zur Investition in einen Batteriespeicher. Auslöser war die bestehende Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 2'500 kWp. Trotz des hohen Eigenverbrauchs musste nachts weiterhin Strom bezogen werden, während tagsüber überschüssige Energie ins Netz eingespeist wurde. «Mit den heutigen Einspeisevergütungen verschenken wir den Strom praktisch. Gleichzeitig kaufen wir ihn nachts teuer wieder ein», sagt Geschäftsführer Stefan Grob.

Mehr Eigenverbrauch statt Einspeisung
Der Batteriespeicher soll genau dieses Ungleichgewicht reduzieren. Ziel ist es, möglichst viel des selbst produzierten Stroms auf dem Betrieb zu nutzen und den externen Strombezug zu verringern. Dabei geht es nicht nur um die Speicherung von Strom. Der Betrieb betrachtet sämtliche Energieflüsse als Gesamtsystem. Wärme, Strom, Lastspitzen und Produktionsprozesse werden laufend aufeinander abgestimmt. «Energie soll dort produziert werden, wo sie gebraucht wird», bringt Hansjörg Grob die Philosophie des Unternehmens auf den Punkt.

Besondere Anforderungen an das Projekt
Eine Besonderheit des Projekts war die Integration des Batteriespeichers in ein bestehendes Gebäude. Bereits bei der Planung des Gebäudes wurde ein Batterieraum vorgesehen. Die heutigen Anforderungen an den Brandschutz unterscheiden sich jedoch deutlich von jenen, die zum Zeitpunkt der ursprünglichen Planung galten.

Da der Speicher innerhalb des Gebäudes installiert werden sollte, spielte der Brandschutz eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit den beteiligten Fachpartnern wurde deshalb ein individuelles Brandschutzkonzept entwickelt, das den aktuellen Anforderungen entspricht und gleichzeitig eine optimale Nutzung der vorhandenen Infrastruktur ermöglicht.

Im Zentrum stand der Einsatz einer Aerosollöschanlage, die eine schnelle und wirkungsvolle Brandunterdrückung ermöglicht. Ergänzend dazu wurden bauliche Massnahmen umgesetzt, darunter geeignete Wand- und Deckenverkleidungen sowie eine gezielte Rauchabsaugöffnung zur sicheren Ableitung von Rauchgasen. Zusätzlich wurde der Rückhalt von Löschwasser berücksichtigt, um mögliche Umweltrisiken im Ereignisfall zu minimieren.

Für die Grob Gemüse AG war in diesem Projekt entscheidend, mit einem erfahrenen Partner wie der MBRsolar AG zusammen zu arbeiten. Sie übernahm die Projektleitung von A-Z und kümmerte sich nebst der technischen Auslegung insbesondere um die Bewilligungsprozesse, die Gebäudeeinbindung und die Sicherheitsanforderungen.

Die Technik allein reicht nicht
Die Installation des Batteriespeichers war nicht der Abschluss des Projekts, sondern der Beginn eines laufenden Optimierungsprozesses. Mindestens ebenso wichtig wie die Technik ist die Integration in die täglichen Betriebsabläufe.

So werden beispielsweise elektrische Stapler gezielt während der Sonnenstunden geladen. Auch die Steuerung von Kühlanlagen, Kompressoren und weiteren Verbrauchern wird laufend angepasst und optimiert. «Es dauert bei uns etwa ein Jahr, bis die Batterie vollständig in den Betrieb integriert ist», erklärt Hansjörg Grob.

Gerade für Landwirtschaftsbetriebe zeigt dieses Beispiel, dass ein Batteriespeicher nicht einfach eine technische Anlage ist, sondern Teil eines umfassenden Energiemanagements werden sollte. Erst wenn Technik, Prozesse und Nutzerverhalten aufeinander abgestimmt sind, kann das volle Potenzial ausgeschöpft werden.

Potenzial für die Schweizer Landwirtschaft
Die Familie Grob ist überzeugt, dass die Landwirtschaft eine wichtige Rolle in der Energiewende übernehmen kann. Grosse Dachflächen, dezentrale Standorte und vorhandene Infrastruktur bieten ideale Voraussetzungen für Photovoltaik, Energiespeicherung und weitere Energieprojekte. «Die Landwirtschaft hat ein riesiges Potenzial bei Photovoltaik, Energiespeicherung und Biomasse», sagt Stefan Grob.

Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass langfristiges Denken entscheidend bleibt. Investitionen in Energieanlagen rechnen sich oft nicht nur über direkte Erträge, sondern auch durch tiefere Betriebskosten, eine höhere Versorgungssicherheit und zusätzliche Unabhängigkeit.

Fazit
Der Batteriespeicher der Grob Gemüse AG ist weit mehr als eine technische Erweiterung der bestehenden Photovoltaikanlage. Er ist Teil einer langfristigen Strategie, die auf Energieeffizienz, Eigenverbrauch und eine nachhaltige Entwicklung des Betriebs ausgerichtet ist.

Das Projekt zeigt eindrücklich, welches Potenzial moderne Speicherlösungen für energieintensive Landwirtschaftsbetriebe bieten. Gleichzeitig macht es deutlich, dass der grösste Nutzen dann entsteht, wenn Technik, Betriebsabläufe und Energiemanagement als Gesamtsystem betrachtet werden.

Für andere Landwirtschaftsbetriebe bietet das Projekt wertvolle Impulse, wie sich Energieproduktion und Energieverbrauch künftig noch besser aufeinander abstimmen lassen.

MBRsolar AG durfte die Familie Grob bei diesem zukunftsweisenden Projekt begleiten und bedankt sich für das entgegengebrachte Vertrauen.